19.06.2026
Es ist Sommer, der Tag startet sonnig und mit viel blauem Himmel. Gegen Mittag sind über den Bergen erste Quellwolken zu sehen. Sie werden immer grösser. Ab Mitte Nachmittag hört man erstes Donnergrollen und erste Blitze sind zu sehen. Das Gewitter kommt rasch näher. Die Blitze sind, je dunkler es wird, immer besser sichtbar und bieten ein faszinierendes Schauspiel am Himmel. Bis gegen Mitternacht leuchten die Blitze kreuz und quer durch den Nachthimmel und lassen es mit ihrem Aufblitzen immer wieder für ein paar Sekunden taghell werden. Ab Mitternacht wird es dann immer ruhiger und die Nacht wird immer dunkler.
Am folgenden Tag häufen sich in den Tageszeitungen und den sozialen Medien wunderbare Blitzbilder vom gestrigen Nachthimmel. Blitze sind ein beliebtes Fotoobjekt. Sie sind wunderschön und faszinierend, aber auch sehr gefährlich. Denn ein Blitz ist nichts anderes als eine elektrische Entladung in der Atmosphäre.
In einer grossen Gewitterwolke bewegen sich durch Auf- und Abwinde Wasserteilchen und Eiskristalle immer wieder nach oben und unten. Dabei stossen sie ständig zusammen und laden sich elektrisch auf – ähnlich wie ein Ballon, der nach dem Reiben an den Haaren an einer Wand haften bleibt. In einer Gewitterwolke sammeln sich negativ geladenen Teilchen im unteren Teil und positiv geladenen Teilchen im oberen Teil der Wolke. Wird die Spannung in der Wolke zu gross, gibt es eine Entladung. Dabei fliesst sehr viel elektrischer Strom durch einen Blitzkanal. Durch die entstehende Hitze dehnt sich die Luft um den Blitzkanal wie bei einer Explosion aus. Diese plötzliche Ausdehnung führt zu einem lauten Krachen, das wir als Donner wahrnehmen.

Ein Blitz ist mit ungefähr 30'000 °C sehr heiss. Zum Vergleich: Wasser kocht bei 100°C, flüssige Lava hat rund 1000 °C und die Oberfläche der Sonne ist 5500 °C heiss. Zudem transportiert der Blitz zwischen 10'000 und 100'000 Ampere Strom. Eine Steckdose bei uns zu Hause liefert gerade mal 10 bis 16 Ampere Strom. Der Blitz ist also ein extrem heisses und energiegeladenes Kraftbündel!
Wenn wir an Blitze denken, sehen wir vor unserem inneren Auge meist eine helle, gezackte Linie am Himmel, eine hell leuchtende Wolke oder einen Blitz, der in einen Turm einschlägt. Diese drei Bilder entsprechen auch den drei häufigsten Blitzarten.
Wolke-zu-Wolke-Blitze: Dies ist die am häufigsten vorkommende Blitzart. Tatsächlich erreichen die meisten Blitze den Erdboden nicht, sondern bleiben im Himmel. Bei dieser Art entlädt sich die Spannung direkt zwischen zwei verschiedenen Wolken. Wolke-zu-Wolke-Blitze sind für Mensch und Tier am Boden ungefährlich.


Blitze innerhalb einer Wolke: Hier entlädt sich die Spannung innerhalb einer einzigen, riesigen Wolke zwischen dem oberen (positiven) und dem unteren (negativen) Teil. Oft sieht man nur ein helles Aufleuchten der Wolken, ohne dass ein Blitzkanal erkennbar ist. Dieses Phänomen wird Wetterleuchten genannt. Auch diese Blitzart ist für Menschen und Tiere ungefährlich.
Wolke-zu-Boden-Blitze: Rund 20 Prozent aller Blitze sind Wolke-Boden-Blitze. Diese Blitzart ist für Menschen, Tiere und unsere Infrastruktur gefährlich. Hier wandert die elektrische Ladung aus dem unteren Teil der Wolke direkt zur Erde. Der Blitz sucht sich dabei immer den kürzesten Weg. Er schlägt daher oft in Gegenstände ein, die ihm entgegenragen: beispielsweise Kirchtürme, Bäume, Strommasten oder auch Menschen, der mitten auf einer flachen Wiese stehen. Aus diesem Grund sollte man sich während Gewittern nie auf einem offenen Feld oder unter einem einzelnen Baum aufhalten.

Damit ein Blitz entstehen kann, muss sich zunächst eine Gewitterwolke, eine sogenannte Cumulonimbuswolke, bilden. Für ihre Entstehung sind bestimmte Voraussetzungen wie beispielsweise genügend Feuchte und Wärme erforderlich. Betrachtet man die Klimaregionen unserer Erde, sind diese Voraussetzungen vor allem um den Äquator, also in den Tropen und Subtropen gegeben. Zwischen dem Äquator und dem 38. Breitengrad der Süd- und Nordhalbkugel gewittert es somit am meisten - vielerorts sogar täglich.
In den mittleren Breiten sind Gewitter jahreszeitenabhängig. Die mittleren Breiten liegen zwischen dem 40. und 60. Breitengrad, wo sich auch die Schweiz befindet. Auf der Nordhalbkugel gibt es vor allem zwischen Juni und August die meisten Gewitter. Auf der Südhalbkugel dagegen sind es die Monate Dezember bis Februar.
Landmassen heizen sich stärker auf als Meere. Daher sind über dem Land die Prozesse der Kondensation von Wasserdampf und der Wolkenbildung infolge aufsteigender Luftbewegungen wesentlich ausgeprägter. In der Folge gewittert es über den Kontinenten häufiger als über dem Meer.


In der Schweiz treten im Tessin die meisten Gewitter und somit am häufigsten Blitze auf. Im Sommer wird die vom Mittelmeer kommende feuchtwarme Luft durch die Alpen zum Aufsteigen gezwungen, was Quellwolkenbildung zur Folge hat. Daraus entwickeln sich häufig grössere Gewitterwolken.
Auf der Alpennordseite sind es vor allem der Jura und die Zentralschweiz (insbesondere das Napfgebiet), die häufiger von Gewittern und somit vom Blitzschauspielen heimgesucht werden.
Angesichts der extremen Hitze und der enormen Energie, die in einem Blitz stecken, ist es nicht verwunderlich, dass Blitze grosse Schäden anrichten können. Schlägt ein Blitz in einen Baum ein, wird dieser meist gespalten und fängt Feuer. Insbesondere bei grosser Trockenheit kommt es immer wieder zu Waldbränden. Wenn ein Blitz in ein Gebäude ohne Blitzableiter einschlägt, kann sich innerhalb von Sekundenbruchteilen ein Brand entzünden.
Immer wieder fordern Blitzschläge das Leben von Menschen und Tieren. Zwar berichten soziale Medien gelegentlich von Personen, die einen Blitzschlag überlebt haben, doch solche Fälle sind sehr selten und aussergewöhnlich.
Wenn sich ein Gewitter ankündigt, sollte man rechtzeitig Schutz in einem Gebäude suchen. Ist dies nicht möglich, sollten offene Flächen sowie einzelne, freistehende Bäume gemieden werden. Denn wie wir nun wissen, sucht sich der Blitz den kürzesten Weg zum Erdboden und das ist meist der höchste Punkt. Wird man von einem Gewitter überrascht gilt: In die Hocke gehen, Füsse ganz nah beieinander stellen und die Beine umschlingen. So hält man die, die Angriffsfläche möglichst klein.