24.03.2026

Föhn, das Gebirgsphänomen

Als Föhneffekt wird ein Fallwind bezeichnet, der auf der Leeseite (der windabgewandten Seite eines Gebirges) auftritt. Diesen Fallwind gibt es überall auf der Erde, wo Wind auf eine grössere Gebirgskette trifft und auf der anderen Gebirgsseite als Fallwind «herunterfällt». Je nach Region gibt es für diesen Wind spezielle Namen. In Nordamerika heisst er auf der Ostseite der Rocky Mountains zum Beispiel «Chinook» - der Schneefresser, in Argentinien spricht man vom «Zonda» und in Frankreich nennt man ihn in den Pyrenäen «Tramontane». In den Alpen und so auch hierzulande ist es der Föhn.

Wie entsteht der Föhn?

Wenn Wind frontal auf ein so grosses Hindernis wie eine Gebirgskette trifft, muss die Luft aufsteigen, um das Hindernis zu überqueren. Auf der Luvseite (der dem Wind zugewandten Seite) kühlt sich die aufsteigende Luft ab. Die Feuchtigkeit kondensiert und es bilden sich Wolken. Somit entstehen auf der Luvseite oft dichte Wolken. Diese sind nicht selten auch begleitet von starken Niederschlägen. Diese Wolken sind gelegentlich auch auf der Leeseite des Gebirges als sogenannte Föhnmauer zu erkennen.

Sobald die Luft den Gipfel überquert hat, ist sie in den meisten Fällen relativ trocken und stürzt auf der Leeseite des Gebirges mit hoher Geschwindigkeit in die Täler hinunter. Beim Absinken trocknet die Luft weiter ab und erwärmt sich um rund 1°C pro 100 Meter. Das erklärt, warum diese Fallwinde in spezifischen Regionen hohe Temperaturen generieren und auch als «Schneefresser» betitelt werden.

Föhnmauer in den Alpen. (Quelle: https://rigi.roundshot.com/)
Föhnmauer in den Alpen. (Quelle: https://rigi.roundshot.com/)
Schematische Darstellung einer Föhnsituation über den Alpen (Quelle: MeteoSchweiz)
Schematische Darstellung einer Föhnsituation über den Alpen (Quelle: MeteoSchweiz)

Situation in der Schweiz

In der Schweiz unterscheiden wir zwischen Südföhn und Nordföhn. Die Bezeichnung gibt an, aus welcher Richtung der Wind kommt. Damit ein Föhneffekt über den Schweizer Alpen entstehen kann, braucht es einen Druckunterschied zwischen der Alpennord- und der Alpensüdseite und/oder südliche oder nördliche Höhenströmung.



Südföhn: Ist der Druck auf der Alpennordseite tiefer als auf der Alpensüdseite, weht der Wind von Süden her über die Alpen – es entsteht Südföhn. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Tiefdruckgebiet über Nordwesteuropa und ein Hoch über Südosteuropa liegt. Feuchte und warme Mittelmeerluft fliesst südlich an den Alpenbogen. Die feuchtwarme Luft wird im Tessin zum Aufsteigen gezwungen, es bilden sich Wolken und es fällt teils ergiebiger Niederschlag. Die relativ trockene Luft fällt dann auf der Alpennordseite in den Föhntälern wie dem Rhein-, Reuss- oder Haslital als Fallwind hinunter und sorgt für sonniges, mildes, aber eben auch windiges Wetter. Typischerweise beobachtet man dann vom Mittelland her eine hervorragende Fernsicht auf die Alpen und oft wirken die Berge dadurch greifbar nah.

Druckverteilung über Europa während eines starken Südföhns am 3. Februar 2026. Bei diesem Ereignis am 3. Februar lag die Temperatur in Vaduz bei 14 Grad und in Zürich bei 7 Grad. In Vaduz wurden Windgeschwindigkeiten von maximal 86 km/h gemessen. (Quelle: Deutscher Wetterdienst)
Druckverteilung über Europa während eines starken Südföhns am 3. Februar 2026. Bei diesem Ereignis am 3. Februar lag die Temperatur in Vaduz bei 14 Grad und in Zürich bei 7 Grad. In Vaduz wurden Windgeschwindigkeiten von maximal 86 km/h gemessen. (Quelle: Deutscher Wetterdienst)
Eine bei Föhnlagen auf der Leeseite typisch entstehende Wolkenformation sind die sogenannten Lenticularis, auch Föhnfische genannt. (Quelle: Philippe Gyarmati)
Eine bei Föhnlagen auf der Leeseite typisch entstehende Wolkenformation sind die sogenannten Lenticularis, auch Föhnfische genannt. (Quelle: Philippe Gyarmati)

Nordföhn: Ist der Luftdruck auf der Alpennordseite höher als auf der Alpensüdseite, weht der Wind von Norden her über den Alpenbogen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Hoch über dem Atlantik oder über Westeuropa liegt. Die etwas angefeuchtete, aber vor allem kühlere Luft wird an der Alpennordseite zum Aufsteigen gezwungen. Der Nordstau zeigt sich vor allem entlang der zentralen und östlichen Alpen. Im Westen und Richtung Jura sind die Wolken meist aufgelockert; hier macht sich bereits der Hochdruckeinfluss bemerkbar. Die Nordföhngebiete liegen südlich des Simplons, im Tessin und in den Südtälern des Kantons Graubünden.


Druckverteilung über Europa während einer Nordföhnsituation am 26. Februar 2023.  (Quelle: Deutscher Wetterdienst)
Druckverteilung über Europa während einer Nordföhnsituation am 26. Februar 2023.
(Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Die Natur und so auch der Föhn treten nicht immer klassisch nach Lehrbuch in Erscheinung. Immer wieder gibt es Besonderheiten oder Abweichungen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass der Druckunterschied im Bodendruckfeld gering ist und trotzdem Föhn durchbricht. Der Druckunterschied ist dann eher durch die nördlichen oder südlichen Höhenwinde erkennbar. Ebenso ist das Wetter in den Föhntälern nicht immer sonnig und wolkenlos; manchmal schwappt die feuchte Luft von der Luvseite über den Alpenkamm hinüber (Föhnmauer), sodass es auch im Lee des Gebirges bewölkt ist und Niederschlag fällt.

Gefahren durch den Föhn

Der Föhn ist kein laues Lüftchen – im Gegenteil: Er ist ein ruppiger und meist sehr starker Wind. Nicht selten fegt er mit über 100 km/h durch die Täler. Bei diesen Geschwindigkeiten kommt es immer wieder zu Schäden an Gebäuden und in Wäldern. Den absoluten Rekord für die höchste gemessene Windgeschwindigkeit während eines Föhnereignisses hält das Lauberhorn: Im Jahr 2008 fegte dort der Guggiföhn mit bis zu 252 km/h den Berg hinunter.

Nebst Sturmschäden kann der Föhn auch die Waldbrandgefahr massiv verstärken. Wenn bereits im Vorfeld wenig Niederschlag gefallen ist, verschärft der Föhn als trockener Fallwind die Situation zusätzlich. Zudem kann sich ein Feuer durch die starken Böen rasant ausbreiten. So brannte beispielsweise Ende des 19. Jahrhunderts während eines starken Föhnereignisses ein Teil des Dorfes Meiringen im Berner Oberland ab.

Lernangebot: Wo finde ich mehr zum Föhn?

Das Arbeitsheft befasst sich mit folgenden Themen:

  • Wind allgemein (Seite 6)
  • Luftdruck (Seite 10)
  • Föhn (Seite 13)
  • Beaufortskala (21)
  • Sturm (Seite 22)

Die typischen Täler der Schweiz mit Südföhn (rot) und Nordföhn (blau). Gestrichelt eingezeichnet sind die Gegenden, in welchen der Föhn nur selten beobachtet wird. (Quelle: MeteoSchweiz)
Die typischen Täler der Schweiz mit Südföhn (rot) und Nordföhn (blau). Gestrichelt eingezeichnet sind die Gegenden, in welchen der Föhn nur selten beobachtet wird. (Quelle: MeteoSchweiz)

Typische Föhnregionen in den Schweizer Alpen

Auf der Alpennordseite sind vor allem das Rhein-, Reuss- und Haslital bekannt für Föhnereignisse. Im Süden sind die Simplonregion, das Tessin und die Südtäler des Kantons Graubünden betroffen. Das Puschlav gilt als das Tal, in welchem die meisten Föhnstunden pro Jahr verzeichnet werden.

Manche Täler haben ihre ganz eigenen Gesetze. Ein bekanntes Beispiel ist der Guggiföhn in der Jungfrauregion im Berner Oberland, der durch eine spezielle südöstliche Strömung entsteht. Bei einer südöstlichen Anströmung schiesst der Wind den Aletschgletscher hinauf und fällt zwischen Mönch und Jungfrau über den Guggigletscher – daher auch der Name – in die Lauberhornregion hinunter. Bricht der Guggiföhn durch, werden über dem Lauberhorn nicht selten orkanartige Windgeschwindigkeiten gemessen. Ab und zu zeigt sich das Phänomen bei der bekannten Lauberhornabfahrt Anfang Januar. So musste auch in diesem Jahr (2026) der Start aufgrund des Guggiföhns nach unten verschoben werden.