War es Lothar? Oder vielleicht doch Vivian oder Karin? Häufig begegnen uns in Wetterberichten die Vornamen, die den komplexen meteorologischen Phänomenen, den Hoch- und Tiefdruckgebieten, verliehen werden. Doch woher stammt diese Tradition? Wer entscheidet über die Namen und warum hat das Hoch mal einen männlichen und mal einen weiblichen Namen? Die Geschichte der Namensgebung ist eine spannende Reise von der Meteorologie über die Gender-Diskussion bis hin zur Welt der Spendenaktionen.
Die Idee, Wettersysteme zu benennen, ist relativ alt. Bereits lange vor der modernen Meteorologie wurden besonders markante Wetterereignisse informell benannt, oft nach dem Heiligen des Tages, an dem sie auftraten oder nach der Region, die das Unwetter betraf.
Die systematische Benennung von Wetterphänomenen nahm ihren Anfang im Zweiten Weltkrieg beim US-Wetterdienst. Man begann damit, die tropischen Wirbelstürme im Pazifik (Taifune) in alphabetischer Reihenfolge mit weiblichen Vornamen zu versehen. Der Grund war pragmatisch: Im Falle von mehreren gleichzeitig auftretenden Stürmen vereinfachte die Benennung die Kommunikation und die Verfolgung der Zugbahnen dieser Wirbelstürme erheblich. Diese Methode erwies sich als so erfolgreich, dass sie später auch auf die Wirbelstürme über dem Atlantik (Hurrikane) ausgedehnt wurde.
Seit Ende der 1970er Jahren vergibt die WMO (Weltorganisation für Meteorologie) die Namen an die tropischen Wirbelstürme über dem Zentral- und Nordatlantik. Hierfür gibt es seither Namenslisten in alphabetischer Reihenfolge. Männliche und weibliche Namen werden nun abwechslungsweise vergeben. Dies, nachdem Kritik über Frauendiskriminierung aufkam, weil diese Wirbelstürme oft auch Leid und Zerstörung brachten.

Der Grundstein für die Namensgebung in Europa wurde 1954 von der Meteorologie-Studentin Karla Wege am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin (FU) gelegt. Spannend ist hier, dass nicht nur die Tief- sondern auch die Hochdruckgebiete einen Namen erhielten.
Am Anfang wurden auch in Berlin die Tiefs ausschliesslich mit weiblichen und die Hochs mit männlichen Namen benannt. Dies führte in den 1990er Jahren ebenfalls zu Diskussionen. So wurden ab 1998 die Hochs und Tiefs jährlich rotierend nach weiblichen und männlichen Namen benannt.
Daraus folgt, dass in den ungeraden Jahren wie 2025 die Hochs weibliche und die Tiefs männliche Namen trugen. In geraden Jahren wie 2026 ist es jeweils umgekehrt.
Im Jahr 2002 wurde von der FU Berlin die Aktion "Wetterpate" ins Leben gerufen. Hierbei kann jede Person ein Hoch oder ein Tief kaufen. Jeweils im Herbst wird die Aktion fürs kommende Jahr ausgeschrieben. Der Erlös aus den Verkäufen unterstützt die Forschung der studentischen Wetterbeobachtung am Institut für Meteorologie.
Der Wetterpate oder die Wetterpatin bekommt als Gegenleistung eine Urkunde sowie die Lebensgeschichte ihres Hochs oder Tiefs. Meist stammen die Käufer aus europäischen Ländern, es gab aber auch schon Patenschaften aus Brasilien, Japan oder Südafrika.


Die Namensgebung durch die FU Berlin hat bis heute Bestand und ist im deutschsprachigen Raum populär. Dennoch vergaben bereits ab Mitte der 1990er Jahre auch andere nationale Wetterdienste in Europa warnwürdigen Tiefdruckgebieten Namen. Denn die Namen von der FU Berlin beziehen sich nicht nur auf warnwürdige Tiefdruckgebiete, sondern auf alle Druckgebiete, die das Wetter in Deutschland bestimmen. Ausserdem liegt ihr Fokus bei der Namensgebung auf den Tiefs und Hochs, welche das Wetter vor allem in Deutschland beeinflussen. So werden jene Druckgebilde, die zum Beispiel über Skandinavien, West- oder Südeuropa ziehen, nicht zwingend berücksichtigt.
So kam es, dass sich mit den Jahren andere europäische Wetterdienste zusammenschlossen und warnwürdige Sturmtiefs benannten. Den einen Zusammenschluss gab es zwischen dem britischen und dem spanischen sowie dem französischen Wetterdienst. Sie vergeben Namen für Sturmtiefs, die den Nordatlantik und Westeuropa betreffen. Die Namen für die Sturmtiefs, welche Norwegen, Schweden und Dänemark betreffen, werden von den Wetterdiensten in ebendiesen Skandinavischen Ländern vergeben.
Seit Ende 2022 gibt es in Europa eine engere Abstimmung für die Namensgebung von warnwürdigen Tiefdruckgebieten. Der Zusammenschluss der europäischen nationalen Wetterdienste (EUMETNET) koordiniert diese Namensvergebung mit der dafür gegründeten Koordinationsgruppe "Storm Naming Procedure".
Wenn nun für ein Land auf dem europäischen Kontinent eine Warnung ausgegeben werden muss, so kann von der zugehörigen Gruppe, bestehend aus den nationalen Wetterdiensten, das Unwetter bringende Tiefdruckgebiet benannt werden. Dieser Name wird dann von den anderen Wetterdiensten übernommen und gilt als offizieller Name. Hintergrund ist auch heute noch eine bessere Kommunikation zu drohenden Gefahren bei grenzüberschreitenden Unwettern.
Dieses System läuft jedoch parallel zur Berliner Patenschaft und erklärt, warum auch heutzutage noch ein Tief in Deutschland einen anderen Namen tragen kann, als im internationalen Vergleich. So hiess zum Beispiel das Sturmtief, welches im Februar 2020 in vielen Teilen Europas grossen Schaden anrichtete, in Deutschland und in der Schweiz Sabine, in Grossbritannien hingegen Ciara.
