04.02.2026

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Naturgefahren in den Schweizer Alpen

Der Klimawandel ist Realität. Langjährige Messreihen belegen weltweit steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge. In der Schweiz fallen diese Veränderungen besonders stark aus. Sie beeinflussen unseren Alltag und werden in veränderten Landschaften und Lebensräumen sichtbar. Die aktuelle Forschung zeigt, dass sich diese Entwicklungen weiter verstärken.

Klimaszenarien CH2025: neue Grundlagen für die Schweiz

Seit November 2025 liegt eine neue wissenschaftliche Grundlage zum Klimawandel in der Schweiz vor: die Klimaszenarien Klima CH2025 von MeteoSchweiz und ETH Zürich. Die Ergebnisse bestätigen bekannte Trends und präzisieren sie: Die Schweiz wird heisser, trockener und schneeärmer, starke Niederschläge nehmen weiter zu. Die Erwärmung verläuft schneller und stärker als bisher angenommen.

Der Klimawandel zeigt sich in der Schweiz besonders deutlich. Ein zentraler Grund liegt in der geographischen Lage. Landflächen erwärmen sich schneller als Ozeane und die Schweiz liegt mitten im Kontinent. Seit der vorindustriellen Zeit (1871 – 1900) hat sich das Klima in der Schweiz bis zur Periode 1991–2020 um rund 2° C erwärmt. Weltweit lag der Wert bei etwa 0.9° C.

Mit steigenden Temperaturen nehmen Extremereignisse zu. Starkniederschläge, Hitzewellen und Trockenperioden werden häufiger und intensiver. Schnee- und Eisbedeckung gehen zurück – schneearme Winter und schwindende Gletscher sind sichtbare Zeichen dieser Entwicklung. Viele Veränderungen sind bereits mess- und spürbar, dies ist in der nachfolgenden Abbildung in grau dargestellt.

Klima CH2025 beschreibt die Folgen des Klimawandels in sogenannten Grad-Welten. Sie beschreiben, wie sich das Klima verändert, wenn sich die Erde global um 1.5, 2 oder 3° C gegenüber vorindustriellen Verhältnissen erwärmt. Mit der heutigen Entwicklung steuern wir auf die 3-Grad Welt zu mit einer globalen Erwärmung von 3° C bis Ende des aktuellen Jahrhunderts. Für die Schweiz bedeutet dies eine deutlich stärkere Erwärmung von 4.9 C. Eine solche Erwärmung hat unzählige weitere Auswirkungen, diese sind in der nachfolgenden Abbildung rot dargestellt und als zusätzliche Veränderung zu den bereits spürbaren Entwicklungen zu verstehen.

Darstellung der Kernaussagen
Darstellung der Kernaussagen

Die Kernaussagen von Klima CH2025 auf einen Blick. Texte in Grau beziehen sich auf die Entwicklung seit vorindustrieller Zeit bis heute, Texte in Rot auf die zusätzlichen Veränderungen in einer 3-Grad Welt © MeteoSchweiz und ETH Zürich

Lernangebot

Wie kommt es zur globalen Erwärmung? Erforschen Sie die Hintergründe mit Hilfe des Kapitels «Die Erde: Ein Treibhaus?» im Arbeitsheft «Natur, gewaltig!» S. 44

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Unser Alltag verändert sich

Klima CH2025 macht die Veränderungen in vier Kernaussagen anhand von Alltagssituationen greifbar. Diese stehen stellvertretend für das Leben unterschiedlicher Menschen in der Schweiz und zeigen, wie sich das Klima auf deren Alltag auswirkt. Die Entwicklungen betreffen Städte, Dörfer und auch den Alpenraum.

Abbildung Extreme Hitze
Abbildung Extreme Hitze

Extremere Hitze – heisse Tage und warme Nächte

Hitzeperioden dauern länger und in den Nächten kühlt die Luft weniger ab. Besonders Städte sind betroffen. Tropennächte werden deutlich häufiger. Erholung wird schwieriger, vor allem für ältere Menschen.

Trockenere Sommer – Böden verlieren Wasser

Höhere Temperaturen und starke Verdunstung trocknen die Böden aus. Die Landwirtschaft braucht mehr Wasser, während weniger zur Verfügung steht. Auch die Waldbrandgefahr steigt.

Heftigere Regenfälle – viel Wasser in kurzer Zeit

Starkniederschläge werden intensiver und treten häufiger auf. Böden und Gewässer können grosse Mengen Wasser in kurzer Zeit schlecht aufnehmen. Überschwemmungen treten öfter auf. Schutzmassnahmen gewinnen an Bedeutung.

Weniger Schnee – steigende Nullgradgrenze

Die Nullgradgrenze steigt. Niederschläge fallen öfter als Regen statt als Schnee. Schneearme Winter werden häufiger. Das verändert Landschaften, Freizeitaktivitäten und den Tourismus.


Abbildung steigende Nullgradgrenze
Abbildung steigende Nullgradgrenze

Lernangebot

Die vier Personen und Aussagen aus CH2025 stehen stellvertretend für viele Menschen in der Schweiz. Wie wird sich Ihr Alltag durch diese Veränderungen verändern?

Nutzen Sie dazu das Kapitel «Welche Folgen hat der Klimawandel?» im Arbeitsheft «Natur, gewaltig!» S. 46

Mit dem Klimawandel verändern sich die Naturgefahren.

Der Klimawandel beeinflusst auch die Naturgefahren in den Schweizer Alpen. Steigende Temperaturen und Veränderungen in den Niederschlägen wirken sich auf Lawinen, Felsstürze, Rutschungen und Murgänge aus. Wie sich diese Prozesse entwickeln, untersuchte u.a. die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im Forschungsprogramm CCAMM während acht Jahren. Die Ergebnisse wurden Ende 2025 veröffentlicht und sind im Folgenden zusammengefasst.

Schnee und Lawinen – tendenziell weniger häufig, aber anders

Die Schneedecke wird wärmer und verändert dadurch ihre Stabilität. Es gibt häufiger nassen Schnee, der wieder gefriert. So entstehen harte Schichten im Schnee. Gleichzeitig gibt es weniger Schwachschichten mit kantigen Körnern. Lawinenniedergänge nehmen eher ab. Trotzdem bleiben Phasen mit vielen und grossen Lawinen möglich. Trockene Lawinen werden seltener. Nassschneelawinen nehmen zu und treten häufiger auch in höhere Lagen und bereits mitten im Winter auf.

Fels, Stein und Wasser – komplexes Zusammenspiel

Hitzeperioden und starke Niederschläge wirken auf Fels und Schutt, was kleinere Felsstürze (≤ 100'000 m 3 ) begünstigt. Grosse Felsstürze (> 100'000 m 3 ) bleiben das ganze Jahr möglich. Die Rolle des Permafrosts ist komplex, er wirkt nicht überall gleich. In oberflächennahen Schichten kann er Fels stabilisieren. In grossen Felspartien kann sein Auftauen den Fels jedoch lockern und instabil machen. Oberhalb von rund 2'000 m ü M. nimmt die Steinschlaggefahr vermutlich zu.

Bei Murgängen zeigt sich ein besonders unsicheres Bild bzw. wird es stark durch das jeweilige Gebiet geprägt. Starkniederschläge, die einen Murgang auslösen könnten, treten häufiger auf. Ob daraus tatsächlich mehr Murgänge entstehen, hängt stark davon ab, wieviel lockeres Material vorhanden ist.

Kaskadenprozesse – wenn ein Ereignis das nächste auslöst

Naturgefahrenprozesse können sich gegenseitig beeinflussen und in Ketten ablaufen. So zum Beispiel 2025 bei Blatten: Felsstürze auf den Birchgletscher lösten einen Gletschersturz aus, der das Dorf Blatten unter sich begrub. Solche Ereignisketten müssen in Zukunft verstärkt berücksichtigt werden.

Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich: Naturgefahren verändern sich mit dem Klima. Viele Zusammenhänge und Prozesse werden heute besser verstanden. Gleichzeitig bleiben Unsicherheiten bestehen. Wie stark und wo genau sich Risiken erhöhen, hängt von lokalen Bedingungen ab.

Lernangebot

Zusammenhänge zwischen veränderter Temperatur und intensiveren Niederschlägen lassen sich mit dem Flussdiagramm «Wir erforschen Zusammenhänge» Arbeitsheft Natur, gewaltig! erforschen S. 40-41.

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Wissen nutzen, Zukunft gestalten

Die neuen Klimaszenarien und die Forschung zu den Naturgefahren zeigen, wie verletzlich die Schweiz gegenüber der Erderwärmung ist. Sie machen aber auch deutlich: Viele Folgen des Klimawandels lassen sich abschwächen. Klimaschutz wirkt und Anpassungen sind möglich. Beides braucht fundiertes Wissen.

Mit Klima CH2025 und den Forschungen der WSL liegen wichtige wissenschaftliche Grundlagen vor. Sie helfen, den Klimawandel in der Schweiz besser zu verstehen und unterstützen Entscheidungen in Raumplanung, Naturgefahrenmanagement, Landwirtschaft, Energie, Politik und Bildung.

Die Schweiz verfolgt klare Ziele: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 halbiert werden. Bis 2050 gilt Netto-Null. Dies bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgas ausgestossen werden darf, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Diese Reduktionen sind entscheidend, um Risiken für Natur, Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft zu begrenzen.

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